Jeden Morgen beginnt in Hotels auf der ganzen Welt dieselbe Choreografie: Housekeeping-Wagen rollen durch die Gänge, Mitarbeitende klopfen an Türen, Gäste schlafen noch, sind bereits unterwegs oder arbeiten im Zimmer.

Erstaunlich ist dabei nicht, dass es manchmal zu Missverständnissen kommt. Erstaunlich ist vielmehr, dass ein zentraler Ablauf in Hotels bis heute häufig fast unverändert funktioniert wie vor Jahrzehnten.


Während die Hotellerie heute über künstliche Intelligenz, Revenue Management und automatisierte Prozesse spricht, basiert die Kommunikation zwischen Gast und Housekeeping vielerorts noch immer auf Türschildern, Telefonaten oder Annahmen.

Ein erstaunlicher Kontrast in einer Branche, die sich in den letzten Jahren rasant verändert hat.


Hinzu kommt ein Thema, das Hoteliers zunehmend beschäftigt: Ressourcen. Zeit ist knapp. Personal ist knapp. Und gleichzeitig steigen die Erwartungen der Gäste. Diese wünschen Individualität, Flexibilität und Kontrolle über ihren Aufenthalt.

Ein Gast möchte vielleicht heute keine Reinigung, morgen aber frische Handtücher. Ein anderer möchte nicht geweckt werden. Ein dritter arbeitet im Zimmer und möchte selbst entscheiden, wann es gereinigt wird.

Die Realität ist längst individueller geworden — die Prozesse dahinter häufig noch nicht.


Dabei geht es nicht primär um Technologie. Es geht um Reibungsverluste.

Jeder unnötige Gang zu einem Zimmer, jedes Klopfen an einer Tür, jede Rückfrage an der Rezeption summiert sich. Nicht dramatisch — aber täglich. Und genau diese kleinen Reibungsverluste entscheiden oft darüber, wie effizient ein Betrieb arbeitet.

Die spannendsten Innovationen entstehen selten aus dem Wunsch heraus, Technologie einzusetzen. Sie entstehen dort, wo Menschen alltägliche Probleme genauer betrachten.

Vielleicht liegt die Zukunft der Hotellerie nicht nur in grossen technologischen Sprüngen. Vielleicht beginnt sie manchmal bei einem einfachen Blick auf die Zimmertür.

— Renato Citrini