Jeden Morgen beginnt in Hotels auf der ganzen Welt dieselbe Choreografie. Housekeeping-Wagen rollen durch die Gänge. Mitarbeitende klopfen an Türen. Manche Zimmer sind leer, andere belegt. Manche Gäste schlafen noch, andere sind längst beim Frühstück.

Was dabei auffällt: Die meisten Entscheidungen basieren auf Annahmen.

Zimmer Nummer 204 — wahrscheinlich leer, also reinigen. Zimmer 312 — Türhänger hängt draussen, also überspringen. Zimmer 408 — keine Information, also klopfen und hoffen.

Das ist keine Kritik an den Mitarbeitenden. Es ist eine strukturelle Frage: Warum arbeitet ein zentraler Prozess im Hotelbetrieb noch immer ohne verlässliche Echtzeitinformation?


Die Hotellerie hat in den letzten Jahren enorm investiert. Revenue-Management-Systeme. Channel Manager. Digitale Check-in-Prozesse. Property-Management-Software mit Dutzenden von Modulen.

Und gleichzeitig: Das Zimmermädchen weiss beim Start der Schicht nicht, welche Gäste ihr Zimmer gereinigt haben möchten — und welche nicht.

Das ist kein technisches Problem. Entsprechende Lösungen existieren. Es ist ein Aufmerksamkeitsproblem. Die kleinen, täglichen Prozesse fallen durch das Raster, weil sie nicht spektakulär sind. Sie verursachen keine grossen Ausfälle. Sie erzeugen keine Alarme. Sie summieren sich still.


Unnötige Wege. Unterbrochene Gäste. Rückfragen an der Rezeption. Doppelte Arbeit. Fehlende Planbarkeit.

Einzeln betrachtet: Kleinigkeiten. In der Summe, über Wochen und Monate: ein erheblicher Aufwand — in Zeit, in Kosten, in Gästezufriedenheit.

Die Frage ist nicht, ob man diesen Prozess verbessern kann. Die Frage ist, warum es so lange gedauert hat, ihn überhaupt zu hinterfragen.

Housekeeping ist in vielen Hotels der grösste operative Bereich. Gleichzeitig ist es oft derjenige mit der geringsten digitalen Unterstützung im Alltag.

Das wird sich ändern. Nicht weil die Technologie besser wird — sie ist bereits gut genug. Sondern weil die Betriebe beginnen, die richtigen Fragen zu stellen.

— Renato Citrini