Ein Handtuch auf dem Boden bedeutet: bitte wechseln. Ein Handtuch auf dem Halter bedeutet: ich nutze es nochmals. Diese kleine Konvention hat sich in der Hotellerie etabliert — als einfaches Signal zwischen Gast und Housekeeping.
Was wäre, wenn das Prinzip weitergedacht würde?
Nicht nur das Handtuch. Das ganze Zimmer. Die ganze Reinigung. Der ganze Aufenthalt.
Viele Gäste möchten heute bewusster reisen. Weniger Ressourcenverbrauch. Weniger unnötige Eingriffe in ihren Aufenthalt. Mehr Kontrolle darüber, was in ihrem Zimmer passiert — und wann.
Gleichzeitig stehen Hotels unter Druck: Personalkosten steigen, Ressourcen werden knapper, Nachhaltigkeitsanforderungen wachsen.
Beides lässt sich mit einem einfachen Mechanismus adressieren: den Gast selbst entscheiden lassen.
Nicht einmal pro Aufenthalt beim Check-in. Sondern täglich, unkompliziert, direkt im Zimmer.
Was passiert, wenn Hotels diese Wahl tatsächlich anbieten?
Die Erfahrungen aus Pilotprojekten zeigen: Gäste nutzen die Möglichkeit. Und sie nutzen sie individueller als erwartet. Manche wählen täglich eine vollständige Reinigung. Andere verzichten bewusst an einzelnen Tagen. Wieder andere möchten nur frische Handtücher.
Das Ergebnis: weniger unnötige Reinigungen, weniger Wasserverbrauch, weniger Einsatz von Reinigungsmitteln — ohne dass die Gästezufriedenheit sinkt. Im Gegenteil.
Gäste, die selbst entscheiden dürfen, fühlen sich respektiert. Und Respekt ist einer der stärksten Treiber von Zufriedenheit.
Nachhaltigkeit im Hotel muss nicht bedeuten, dass Gäste auf Komfort verzichten. Sie kann bedeuten, dass Gäste Komfort selbst definieren dürfen.
Das ist ein Unterschied. Und er macht einen grossen Unterschied.
— Renato Citrini